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Paragon Times

Aus der Vogelperspektive

Helden sind nicht allein im Himmel über Paragon City.

Von Jackson Turner - Times Chefredakteur

Wenn man zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit den Blick in Paragon City gen Himmel wendet, wird man, so Statesmans Worte, „das allzeit wachsame Symbol für Freiheit elegant am Himmel seine Kreise ziehen sehen.“ Gemeint ist mit diesem Symbol Kapitän James Finney. Ohne übertreiben zu müssen, kann man behaupten, das Kapitän Finney die Stadt wie kein anderer aus 100 Metern Höhe kennt – und er ist kein mit der Superkraft des Fluges gesegneter Held.  „Ich bin ein Flieger der alten Schule“, sagt er mit einem Lächeln, „mit Benzinantrieb.”

Seit 1990 fliegt der 49-jährige Kapitän Finney, ehemals Pilot der Luftwaffe und Handelsflotte, an Bord des Luftschiffs Spirit of Freedom durch Paragon City. „Die Leute nennen es oft Zeppelin oder Luftschiff. Technisch betrachtet jedoch ist es ein unstarres, LTA (lighter-than-air, also leichter als Luft) Kleinluftschiff.“

Kapitän Finney, der in seiner stattlichen blauen Uniform mit vollem, graumeliertem Haar und stechenden blauen Augen den typischen Piloten verkörpert, ist der leitende Pilot der neuesten Spirit of Freedom der Narragansett Airship Company (NAC) – die alte Spirit of Freedom fiel der Rikti-Invasion von 2002 zum Opfer. Dieses neue, im Jahre 2003 von der berühmten American Blimp Corporation in Oregon gebaute Luftschiff basiert auf einer modifizierten A-60+ Doppel-Turbomaschine. Das Luftschiff misst 42 Meter von der Nase bis zum Heck und enthält 1950 Kubikmeter Helium. „Um ein solches Luftschiff zu unterhalten, braucht man eine mindestens 14-köpfige Crew“, so Kapitän Finney. Die Heimat des Firmen-Flaggschiffs Spirit of Freedom und dreier anderer Luftschiffe ist die alte Warwick Luft-Station, die sich jetzt NAC Field nennt.

„Der eigentliche Name Spirit of Freedom geht auf das erste lenkbare Luftschiff zurück, das von der NAC im Jahre 1935 in Auftrag gegeben wurde” erzählt Kapitän Finney.  „Die frühen dreißiger Jahre waren wahrscheinlich weltweit die Hochzeit für die Nutzung von Luftschiffen. Passagierflüge wurden als die nächste große Mode erwartet. All das kam am 6. Mai 1973 in Lakehurst, New Jersey zu einem bitteren Ende.“

Als an diesem Tage Deutschlands ehrwürdiges Luftschiff Hindenburg bei seiner Landung in Lakehurst in Flammen aufging, wurden damit auch die Träume von riesigen Luftschiffen, die Passagiere befördern sollten, zunichte gemacht. „Das Intresse an Luftschiffen schwand und man wandte sich Starrflügelluftfahrzeugen zu“, sagt Kapitän Finney.

Allerdings verschwanden die Luftschiffe damit nicht völlig von der Bildfläche. Bei Ankunft des 2. Weltkriegs erkannte die US -Marine die Vorteile im Einsatz von Luftschiffen für Küsten-Aufklärungseinsätze, Überwachungs- und Eskortierungsflüge. In den Nachkriegsjahren wurden große Fortschritte mit dem Design der Luftschiffe und der Verbesserung ihrer Sicherheit gemacht. Obwohl die Luftschiffe weiterhin die gleichen Dienste wie zu Kriegszeiten versahen, begann man sie zusätzlich zu Forschungszwecken einzusetzen. Durch ihre stabile und relativ kostengünstige Bauweise und ihre vergleichsweise wenig aufwändige Wartung und Einsatz boten sie sich als vielseitiges Transportmittel an, das für eine Vielzahl verschiedener Zwecke eingesetzt werden konnte. Hinzu kam ein wachsendes Interesse von Seiten der Werbeindustrie und des Fernsehens, so dass eine Renaissance der Kleinluftschiffe nicht lange auf sich warten ließ.

Heute kommen die NAC und ihre Luftschiffe einer Reihe verschiedener Pflichten um New England herum nach, die von Filmaufnahmen bei Sportveranstaltungen bis zur Unterstützung von wissenschaftlichen Nachforschungen reichen. Die Spirit of Freedom, hat jedoch ein ganz spezielles Verhältnis zu Paragon City. „Wir fliegen seit 1935 über Paragon City“, so Kapitän Finney. „Während der Kriegsjahre patrouillierten wir die Häfen als Teil der zivilen Küstenüberwachung und halfen der Marine bei ihren Anti-U-Boot-Patrouillen. Mit dem Aufkommen der Helden und dem Erlass des Bürger-Verbrechensbekämpfungsgesetzes in 1937 kamen dann die Pflichten eines Gesetzeshüters hinzu.“

Einer der besonderen Aspekte einer Stadt voller fliegender Helden ist die Komplexität der Kontrolle des Luftverkehrs. „In den Anfängen gestaltete sich dies als nicht allzu schwierig“, kommentiert Kapitän Finney. „Die kommerzielle Luftfahrt steckte damals noch in ihren Kinderschuhen und so hatten die fliegenden Helden den Himmel fast ganz für sich selbst. Und die Spirit of Freedom fliegt selten höher als 1700 Meter oder schneller als 50 km/h, sodass Zusammenstöße mit fliegenden Helden so gut wie nie vorkamen.“

Mit der Zunahme der militärischen und kommerziellen Luftfahrt in den 50er und 60er Jahren wurde das Problem akut - und das zu einem solchen Maße, dass der Luftraum einzig Militär- und Notfallflugzeugen vorbehalten wurde. Wollte man also nach Paragon City fliegen, musste man auf benachbarten Flughäfen landen – eine Vorgehensweise, die noch heute Geltung hat.  Die einzige Ausnahme ist die Spirit of Freedom. Zu dieser Zeit hatte sich die NAC und die Spirit of Freedom bereits als wertvolle Hilfe bei der Stadtplanung und der Verbrechensbekämpfung erwiesen.

„Die Rikti-Invasion von 2002 schob der Nutzung des Luftraumes endgültig einen Riegel vor“, sagt Kapitän Finney. „Der gesamte Luftverkehr war lahm gelegt. Es herrschte das totale Chaos. Tod und Zerstörung waren überall. Helden sowie Zivilisten wurden systematisch vernichtet.“ Während einer dieser letzten verzweifelten Schlachten fassten Kapitän Finney und seine Crew den Entschluss zu helfen. 

„Das Resultat der Abstimmung war einstimmig”, so der Kapitän. „Es galt, die Verwundeten aus diesem Gebiet zu transportieren – ob da nun Rikti-Kriegsschiffe waren oder nicht.“ Kapitän Finney machte sich mit der Spirit of Freedom zur umkämpften Stadt auf – im Tiefflug und mit maximaler Geschwindigkeit. „Natürlich war das nicht schnell genug“, erinnert sich Finney, „aber ich gab Gas, so gut ich konnte. Ein Luftschiff ist wie ein großer, mit Helium gefüllter Ballon, was uns Auftrieb verschafft. In diesem Ballon befinden sich zwei weitere Ballons, die entweder mit Luft zur Beschwerung gefüllt werden oder leer bleiben, um und leichter zu machen. Wenn man sich so nah der Erdoberfläche in einem Luftschiff bewegt, erfordert das volle Konzentration.“

Als die Spirit of Freedom endlich an den Außenbezirken der Stadt ankam, war die Sicht auf wenige Meter begrenzt. „Der Rauch von den brennenden und explodierenden Gebäuden war überall. Außerdem gab es durch die Explosionen und das Feuern von Waffen Turbulenzen. Rikti-Schiffe näherten sich und versperrten den Blick auf die Skyline. Es war grauenhaft.“ Schließlich gelang es der Spirit of Freedom, verwundete Helden und Zivilisten unter den Ruinen auszumachen. „Wir luden sie in das Luftschiff, so schnell wir irgend konnten“, berichtet Kapitän Finney. „Währenddessen galt es, das Ladegewicht genau mit dem Auftrieb zu verrechnen, um die Explosion zu vermeiden. Die Helden versammelten sich um uns herum und bildeten Schutzwälle über und unter uns, so gut sie konnten. Ich erinnere mich, dass Statesman mich zum Abflug mahnte, bevor er sich umwandte, um es mit einer Gruppe Rikti aufzunehmen.“

Kapitän Finney machte drei dieser Flüge, bevor die Spirit of Freedom durch erheblichen Schaden flugunfähig war. „Sie konnte sich einfach nicht mehr in der Luft halten. Einer der Motoren hatte den Geist aufgegeben und die Steuerflächen waren mit Schüssen durchlöchert. Sie war ein wunderbares Schiff. Sie half uns, jede Menge Leute zu retten.“

Für ihren mutigen Einsatz unter extrem gefährlichen Bedingungen wurden Kapitän Finney und seiner Crew die Medaille der Freiheit durch den Bürgermeister und Statesman persönlich verliehen.

Die neue Spirit of Freedom durchstreift nach wie vor die Himmel über Paragon City. „Unsere Mission hat sich etwas geändert“, so Kapitän Finney. „Wir haben jede Menge besondere und geheime Instrumente an Bord – alles Hightech – , die es uns erlauben, Paragon City in wirklich erstaunlichem Ausmaß zu überwachen. Wir arbeiten dabei eng mit dem Federal Bureau of Super-powered Affairs (FBSA) und der Stadtregierung zusammen. Ein weiterer Dienst, den wir im Nachhinein der Rikti-Invasion ausüben, ist die detaillierte kartografische Arbeit, die den Wiederaufbau von Paragon City erleichtern soll. Ich bin stolz darauf, bei der Wiederbelebung dieser Stadt mitwirken zu dürfen.“

Wenn wir das nächste Mal hoch schauen und das elegante Luftschiff über der Skyline der Stadt erblicken, können wir und sicher in dem Wissen fühlen, das Kapitän Finney und seine Spirit of Freedom mit - um Statesmans Worte zu gebrauchen – „allzeit wachsamen“ Augen auf unsere Stadt hinab schauen.