Das Vermächtnis der Helden
Paragon City ist eine Stadt voller Helden – aber verwenden sie alle ihre Kräfte verantwortungsbewusst?
Paragon City, RI, September 24, 2005
Sonderkommentar von Jackson Turner - Leitender Korrespondent der TimesIch habe oft über den einzigartigen Anblick von Paragon City gestaunt. Vor über 70 Jahren sah ein Mann das unglaubliche Potential im Herzen einer Stadt, die von politischer und sozialer Ungerechtigkeit überschwemmt wurde. Selbstlos versprach der erste mit Superkräften ausgestattete Held, die Dinge richtig zu stellen - egal, wie groß die Mühen oder die Opfer dafür sind. Dieser Held war natürlich Marcus Cole. Statesman. Seine Ankunft und der folgende Aufstieg des Superhelden war nicht nur ein Wendepunkt für Paragon City, sondern für die ganze Welt.
Wie anders die Welt doch ohne Statesman und diese frühen Helden wäre. Welche Geschichte verbirgt sich hinter einem heldenlosen Pfad? Es ist keine angenehme Vorstellung. Paragon City würde höchstwahrscheinlich eine Hafenstadt an einem toten Gewässer sein, voller Korruption und Verbrechen. Die Welt würde sehr viel düsterer sein. Die verzweifelten Schreie der Leidenden, der Schwachen und der Ängstlichen würden sehr viel lauter sein. So besorgniserregend dieses Szenario auch ist, ist es gar nicht so weit hergeholt. Das Böse ist eine Macht, die immer noch sehr wohl am Leben ist und nur darauf hinarbeitet, hervorzutreten. Wenn die Gegner von Paragon City Erfolg haben, dann kann diese Welt sehr gut das Ergebnis sein.
In meiner Zeit als Journalist für Paragon City hatte ich das Privileg, immer wieder dabei zu sein, wenn Geschichte geschrieben wurde. Von den dunklen Tagen des Riktikrieges bis heute habe ich über eine Vielzahl von Ereignissen berichtet, gewöhnliche wie auch außergewöhnliche, wobei die außergewöhnlichen die gewöhnlichen Ereignisse weit übersteigen. Ich habe viele Helden getroffen und ich war immer inspiriert und begeistert von ihrer Hingabe und ihrem Mut. Sie blieben standhaft im Angesicht der Gesetzlosigkeit und der allgegenwärtigen Bedrohung durch jenseitigen Terror. Als Mitglieder einer Supergruppe oder als Einzelkämpfer haben sie alle die Ideale und Tugenden der größten Helden der Geschichte geprägt. Die Geschehnisse der letzten Zeit wirkten jedoch wie eine bittere Erinnerung: Es gibt die Tendenz, dass man vergisst, dass hinter den protzigen Kostümen und den erstaunlichen Kräften ein nur all zu menschliches Herz schlägt.
Diese Erinnerung hat mich zu einigen beunruhigenden Überlegungen geführt, als ich nach Siren’s Call zurückkehrte. In meinem letzten Artikel über die “Wiedereröffnung” dieses verwüsteten Bezirks stolperte ich über besorgniserregende Informationen, die die angebliche Fehlfunktion von Sunbursts Kräften und die folgende “außergewöhnliche” Explosion, welche Teile des Küstenbezirks zerstörte, betreffen. Ich sage angeblich, weil es keinen wirklichen Beweis dafür gibt, dass Sunburst die Explosion ausgelöst hat, oder zumindest keinen öffentlich zugänglichen Beweis. Sunbursts Bruder, Robert Danner, ist immer noch davon überzeugt, dass sein Bruder in die Gegend gelockt und vernichtet wurde. Aber von wem? Es gibt ein paar Beweise, die zu den Rogue Isles führen und ich habe vor, diese in sehr naher Zukunft zu untersuchen. Mal abgesehen von der Verschwörungstheorie zeigt dies ein Problem, dem man sich selten annimmt aber das häufig auftritt - die Schuld eines Helden und die Konsequenzen daraus.
Wir von der Presse (und auch die Regierung) sind mit dem Begriff “Kollateralschaden” sehr vertraut. Er ist ein Bestandteil der Welt, von der wir berichten. Für die Öffentlichkeit ist es der Preis, den man manchmal dafür zahlen muss, wenn man die Stadt vom Bösen befreien will. Als die Citizen Crime Fighting Acts von 1937 und 1952 die Bürger-Helden legitimiert und bevollmächtigt haben, legten sie auch ein paar Einschränkungen für den legalen Gebrauch von “außergewöhnlichen Mitteln” zum Kampf gegen das Verbechen fest. Doch trotz des Zustroms von Helden mit vernichtenden Kräften zeigen die offiziellen historischen Aufzeichnungen nur wenige Beispiele von Helden, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit wurden. Die Wenigen, die erwähnt werden, wurden von ihren eigenen Supergruppen kontrolliert. Juristische Schritte wurden nur in zwei Fällen eingesetzt und beide wurden außergerichtlich geregelt, wobei dabei jedes Mal die Verteidigung freiwillig aufgegeben hat. Soll ein Held offiziell für die Konsequenzen der Verwendung seiner Kräfte bei der Ausübung seiner Pflicht zur Rechenschaft gezogen werden können? Gewöhnliche Polizisten sind sicherlich für ihre Aktionen verantwortlich. Helden, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir, dass Rechenschaft sehr wichtig ist und dass die meisten von Ihnen sich ihrer Verantwortung auch bewusst sind. Aber bei Sunbursts Situation sind die meisten Helden mit der offiziellen Position nicht zufrieden. Vielleicht ist es an der Zeit für eine erneute Untersuchung der Politik des FBSA bezüglich des Trainings und des Managements von Helden.
Die unbeantworteten Fragen rund um Sunburst und die Explosion sind nicht die einzigen Ungereimtheiten, die eine Untersuchung rechtfertigen. Der Mittelpunkt des nächsten Artikels wird sich mit der Frage beschäftigen, warum der Distrikt nach der Explosion nahezu ein Jahr ungeschützt gelassen wurde. Wegen der nicht reparierten Kriegswälle und einer neuen küstennahen Bedrohung, die sich der Stadt nähert, kann man Siren’s Call getrost als ein Sicherheitsleck betrachten. Dies bringt Paragon City an zwei neuen Fronten in Gefahr - Salamanca und Siren’s Call.
Paragon City ist wieder einmal an einem Scheideweg. Die Bedrohungen der Stadt von innen und von außen sind exponentiell gestiegen. Dass wir im Zentrum der Aufmerksamkeit für die Helden dieser Welt stehen, steht außer Frage - aber wir sind tun auch zunehmend für diejenigen, die zu Tod und Zerstörung neigen. Es ist offensichtlich, dass die heroischen Missionen in ihrer Komplexität gestiegen sind, so wie auch der Charakter unserer Feinde. Und trotzdem ist das heldenhafte Erbe unserer Stadt immer noch am Leben - und das wegen der treuen Widmung für Gerechtigkeit und absoluter Überzeugung des Guten über das Böse. Ich denke, dass Sunburst in den wenigen letzten Sekunden seines Lebens dieses Erbe aufrechterhielt.
Am 21 September sind Senior Times Korrespondent Jackson Turner und Times Fotograf Juan Jimenez zu einem Spezialauftrag nach Siren’s Call aufgebrochen, um über die Wiedereröffnung des Distrikts zu berichten. Am 24. September informierte Juan Jimenez die Times, dass Jackson Turner tags zuvor zu einem Treffen in der Nähe der Docks mit einem vertraulichen Informanten begeben hat. Er kam niemals zurück. Am 26. September fand die Times Turners Laptop, zusammen mit dem obigen Kommentar, wieder.
Trotz mehrmaliger Anfragen haben die offiziellen Stellen bisher jeden Kommentar über den Fall abgelehnt. Wir von der Paragon Times werden unsere eigenen Untersuchungen in diesem Fall fortführen. Wenn irgendjemand Informationen über den Verbleib von Jackson Turner hat, bitte kontaktieren Sie die Paragon Times oder ihr nächste Polizeidienststelle.










