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Wer ist Amboss? Einsatzbericht

27 Okt, 2006

Das Rollenspielevent um die Hintergrundgeschichte von Amboss ist vorbei.

Die verdeckten Ermittlungen um den mysteriösen Hintergrund des Botschafters Amboss sind beendet und unsere freiwilligen Undercover-Agenten haben ihre Berichte eingereicht.

Den überzeugendsten Bericht lieferte dabei unser Forenmitglied Sin ab und wird dafür euch mit kostenloser Game Time, Trading Cards und einem besonderen in-Game Titel belohnt. Gut gemacht, Agent!

Lest weiter und erfahrt die Wahrheit (oder zumindest das, was Sin für die Wahrheit hält) über Amboss und den Höllenschmied.



Mordlust verjährt nicht


Sojobo hastete auf direktem Weg vom Basisportal zum Konferenzraum. Die Eile hatte seinen Aufzug etwas in Mitleidenschaft gezogen. Unordentlich fiel das lange weiße Haar des Kriegsschattens auf die Schultern seiner schwarz-goldenen Rüstung. Direkt hinter ihm schritt der hünenhafte Geryon, der ihn zur Universität in Founders Falls begleitet hatte, wo Professor Meng die letzten Zweifel an ihren bisherigen Schlußfolgerungen beseitigt hatte. Unverzüglich hatte Sojobo daraufhin seine engsten Freunde und Verbündeten kontaktiert und eine Versammlung in der Basis einberufen.


Tatsächlich wartete im Konferenzraum bereits eine kleine Menschen- oder besser Heldenmenge, unter anderem die Friedensbringerin Alectrona, die Sojobo auf fast allen Einsätzen begleitete, der Geist Aratron, der sich bereits an den Nachforschungen zu diesem Fall beteiligt hatte und der geheimnisvolle Bogenschütze Zagreus, dessen Interesse für die griechische Mythologie ihm anscheinend Flügel verliehen hatte, denn er war vor allen anderen hier eingetroffen.


Über die bereitliegende Fernbedienung aktivierte Sojobo die Kamera. Die folgende Unterredung sollte für die abwesenden Agenten aufgezeichnet werden; seine Abneigung gegenüber schriftlichen Berichten war fast ebensogroß wie die dagegen, sich ständig wiederholen zu müssen.
„Meine Freunde,“ begann er seine Ansprache, „nachdem die Ermittlungen der Untersuchung ‚Janus’ im Wesentlichen abgeschlossen sind, möchte ich euch hiermit alle auf den neuesten Stand bringen, damit wir mit den vorhandenen Informationen gemeinsam nach einer Lösung des Problems suchen können.“ Die neugierige Unruhe der kleinen Schar wich gespannter Stille.


„Wie ihr wahrscheinlich alle wißt, ging es darum, die Hintergründe von Amboss´ seltsamem Verhalten seit der Schlacht von Siren´s Call aufzudecken um gegebenenfalls eine damit zusammenhängende Gefahr abzuwenden.“ Zustimmendes Gemurmel setzte ein.
„Wie einige als Journalisten getarnte Agenten während eines Interviews mit Gabriel Welker, einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft, herausfinden konnten, äußert sich dieses seltsame Verhalten in geistiger Abwesenheit, Unsicherheiten in Bezug auf Datumsangaben und ähnliche Dinge. Außerdem konsultiert er seit seiner Befreiung regelmäßig einen gewissen Dr. Vittek, der insbesondere auf neurologischem Gebiet als Kapazität gilt. Als wäre das noch nicht genug, haben wir von diesem Gabriel Welker außerdem erfahren, dass Amboss sich seitdem in auffälliger Weise für Literatur interessiert, die darauf hindeutet, daß die derzeitige Situation ihre Wurzeln in Vorgängen hat, die etwa 7.000 Jahre zurückliegen.“


Sojobo machte eine kurze Redepause, in der er nach ein paar schnell eingetippten Änderungen auf einem großen Monitor ein Schaubild mit verschiedenen, durch Pfeile und gestrichelte Linien miteinander verbundene, griechische Götter- und Halbgötternamen erscheinen ließ.
„Was wir hier sehen, ist unter anderem das Ergebnis von Aratrons Recherche in „Pandora´s Box“, dem Laden in Steel Canyon, in dem Amboss sich die Bücher für seine Studien geliehen hatte. Aratron hatte sich dort Zugang zu diesen Werken verschafft und die Ladenbesitzerin darüber befragt.“


Bei diesen Worten konnte der Angesprochene sich nur schwer ein breites Grinsen verkneifen. Voller Stolz dachte er daran, dass seine Illusion, mit der er sich als Amboss getarnt hatte, so perfekt war, daß sogar der Botschafter selbst nicht an seiner Echtheit gezweifelt hätte.
„Ergänzt und bestätigt wurden diese Angaben später durch die Aussagen von Amboss´ Adoptivmutter Gabrielle Auriga und gerade eben Professor Meng, dem führenden Experten für griechische Mythologie an der Universität von Founders Falls.
Wie hier dargestellt, war der griechische Schmiedegott Hephaistos mit der Liebesgöttin Aphrodite verheiratet. Und obwohl eigentlich vor allem Aphrodite eine unleugbare Neigung zum Fremdgehen hatte, sind die Zwillingsbrüder, die in diesem Fall von besonderem Interesse sind, aus einer Affäre von Hephaistos und Gaia hervorgegangen.


Der eine hieß Erichthonios oder Erich, wie er von Professor Meng genannt wird, und wurde zur Erziehung an Athene übergeben, der andere trug den Namen Artores und wurde von Ares erzogen. Während Erich unter der Anleitung von Athene praktisch keine andere Wahl hatte als zu einem Helden heranzuwachsen, der der Sage nach unter anderem die Panathenischen Spiele begründete, die das Vorbild für die heutigen Olympischen Spiele waren, wurde Artores von seinem Ziehvater von frühester Jugend an dazu erzogen, ein perfekter Krieger, eine Kampfmaschine zu werden. Laut Professor Meng, ohne den wir nicht einmal einen Hinweis auf den Namen dieses Bruders hätten, soll Artores eine zutiefst gespaltene Persönlichkeit gehabt haben, ständig schwankend zwischen Hass und Liebe. Der Hass scheint ihm von Ares gründlich eingeimpft worden zu sein; was das Liebevolle angeht, so könnte dies eine angeborene Eigenschaft sein oder von den wohl recht häufigen Besuchen der Aphrodite herrühren.“ Sojobo mußte bei diesen Worten unwillkürlich etwas anzüglich lächeln.


„Wie ich schon erwähnt hatte, war ‚Treue’ für Aphrodite, wohl ressortbedingt, ein unbekanntes Konzept. Ares wiederum war durch sein Betätigungsfeld körperlich in Höchstform und zudem recht listenreich, beides Eigenschaften, die ihn bei den Damen ziemlich beliebt machten. Da überrascht es nicht, daß Aphrodite und Ares das eine oder andere Schäferstündchen miteinander verbrachten. Irgendwann bleibt so etwas natürlich auch nicht vor einem Hephaistos verborgen, der die beiden daraufhin in seiner Eifersucht vor der restlichen Götterschar im wahrsten Sinne des Wortes bloßstellte. Darüber war wiederum Ares nicht sehr glücklich und sein Racheplan sah vor, daß er Hephaistos´ Lieblingssohn Erichthonios durch dessen Bruder Artores ermorden lassen wollte. Das hätte wohl auch funktioniert, wenn Artores nicht im letzten Moment von seiner ‚guten Seite’ übermannt worden wäre und innegehalten hätte. Daraufhin wurde Artores von Ares im Zorn auf wohl recht unangenehme Art und Weise getötet.“ Tiefes Durchatmen. „Zeitsprung.“
„Entschuldige mal,“ warf Zagreus ein, „möchtest du damit andeuten, dass Erichthonios und Artores als Amboss und Höllenschmied wiedergeboren wurden?“
„Jein. Irgendwie hatte ich das schon einmal…“ Sojobo sah kurz zu Aratron, der, wenn er nicht gerade ein Geist wäre, wahrscheinlich errötet wäre. „Amboss und Höllenschmied sind zwar Reinkarnationen, aber die Geschichte ist sehr viel komplizierter. Das wird wahrscheinlich gleich etwas klarer.“


Ein neues Schaubild erschien auf dem Monitor. Darauf waren nur drei Namen zu sehen. Ganz oben stand „Artores“ und zwei Pfeile zeigten zu den anderen beiden: „Höllenschmied“ und „Amboss“.
„Laut dem Beamtomaten, der von einem Agententeam gehackt werden konnte, wurden am 2. April 1935 sowohl der Höllenschmied als auch Amboss geboren. Ich bin mir nicht sicher, ob sie leibliche Verwandte sind, aber an einer Tatsache gibt es keinen Zweifel: Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes seelenverwandt. Die zwiespältige Persönlichkeit des Artores hat offenbar dazu geführt, daß seine Seele sich in zwei Teile gespalten hat und in den Personen Höllenschmied und Amboss reinkarniert ist. Amboss selbst hatte sich ein Buch ausgeliehen, demzufolge ungefähr zu dieser Zeit die Büchse der Pandora ein weiteres Mal geöffnet worden sein soll. Das erste Öffnen der Büchse soll für die Entstehung der alten griechischen Götter verantwortlich sein und dieses zweite Öffnen soll die ungewöhnliche Verbreitung von Superkräften auf der Welt erklären. Interessant ist auch, daß ungefähr zu dieser Zeit auch die ersten Aktivitäten von Statesman und Lord Recluse zu verzeichnen sind, die ja beide von alten Gottheiten beseelt sein sollen. Auf ähnliche Weise könnte also auch die Seele des Artores ihren Weg zurück in diese Welt gefunden haben.


Die Verbindung zwischen Artores und dem Höllenschmied ist schnell hergestellt: Er selbst hat sich während Amboss´ Entführung verraten. Und die Begleitumstände entlarven auch Amboss. Wie ihr wißt, hatte ich über eine als Relais dienende Drohne eine Fernsteuerungsverbindung zu einem Cyborg aufgebaut, der sich problemlos unter den Schurken auf Sharkhead Isle bewegen konnte. Ich habe dann dieses ‚Vehikel’ benutzt um Amboss´ Adoptivmutter Gabrielle Auriga bei einem Aufenthalt im dortigen Monkey Fight Club zu befragen. So habe ich von ihr erfahren, dass Amboss ihr gegenüber erwähnt hat, dass er von Höllenschmied einigen Gehirnwellenexperimenten unterzogen wurde, die offenbar dazu führten, dass dieser erkannte, dass Amboss „nicht der Richtige“ ist und ihn freiließ. Das würde auch zu den merkwürdigen Beobachtungen bei der Schlacht von Siren´s Call passen, wonach Amboss sich angeblich selbst befreit haben soll. Außerdem soll der Höllenschmied von einem 7.000 Jahre alten Mordauftrag gesprochen haben, den er noch zu erfüllen hätte. Dies lässt folgende Schlussfolgerung zu: Artores ist in Gestalt des Höllenschmieds zurückgekehrt um endlich seinen Auftrag auszuführen und Erichthonios zu töten. Was diese Angelegenheit so kompliziert macht, ist die Tatsache, dass sich Amboss an sein früheres Leben als Artores erinnern kann und seiner Adoptivmutter davon erzählt hat – vor seiner Entführung. Ja, er hat die Familie Auriga explizit wegen dieser Erinnerungen aufgesucht um sich adoptieren zu lassen. Hierzu ist anzumerken, dass ‚Auriga’ der lateinische Name des Sternbilds des Fuhrmanns ist, das Erichthonios darstellen soll. Amboss wollte den Mordversuch in seinem früheren Leben auf diese Weise in diesem Leben wiedergutmachen.


Zum einen kann damit eine Manipulation seiner Erinnerungen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Zum anderen heißt das, dass der Höllenschmied den hasserfüllten, kriegerischen Teil von Artores´ Seele in sich trägt, während Amboss die gutherzige Seite verkörpert, den Teil, der vor 7.000 Jahren sogar sein eigenes Leben geopfert hat um durch sein Zögern Erichthonios vor dem sicheren Tod zu retten.“
Sojobo schaute in die Runde, wo ihn ungläubige Blicke empfingen. Einige Kinnladen hingen etwas tiefer als gewohnt.
„Wir wissen also, dass der Höllenschmied, oder besser: der Teil von Artores, der im Höllenschmied reinkarniert ist, nach wie vor versucht, Erichthonios zu finden und zu töten. Wer und wo ist also Erichthonios? Der erste Teil der Frage ist schnell geklärt: Amboss hat sich nicht umsonst der Familie Auriga angeschlossen. Nicht umsonst bemüht er sich nach Kräften, seine kleine Adoptivschwester zu beschützen. Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass es sich bei Blue Sky in gewisser Weise um den reinkarnierten Erichthonios handelt und dass Amboss versucht, seine alte Schuld abzutragen, indem er sie nun beschützt. Was er bis zu seiner Entführung aber sicher nicht ahnte, ist, dass er nicht der ‚ganze’ Artores ist, sondern dass der dunkle Teil seiner Seele in Gestalt des Höllenschmieds weiterhin eine große Bedrohung für seine Schwester darstellt. Das ist auch der Grund dafür, dass sich sein Verhalten so auffällig verändert hat.


Darüber hinaus wissen wir, dass Amboss vom Höllenschmied unter Druck gesetzt wird. Zum einen hat der Höllenschmied dies selbst angedeutet, als er vor den Augen einiger Agenten den Hausmeister des Pocket D, der seinen Männern den Zugang nach Paragon City ermöglicht hatte, tötete. Zum anderen hat Aratron, während er Amboss beschattete, beobachtet, dass dieser einem der Agenten des Höllenschmieds einen Koffer mit etwas übergeben hat, was – ich zitiere – ‚schwer zu beschaffen’ war und die Einhaltung einer Abmachung eingefordert hat.


Ich denke, Amboss will dem Höllenschmied gegenüber Zeit gewinnen, indem er seinen Forderungen nachgibt. Auch ihm muss klar sein, dass dieser Schurke früher oder später merken wird, dass Blue Sky Erichthonios ist und dass es dann nichts mehr gibt, was er ihm anbieten könnte um seine Adoptivschwester freizukaufen. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass der Höllenschmied bereits darüber Bescheid weiß und Amboss auf diese Weise nur noch eine Weile quälen will um Rache zu nehmen am ‚Krieger am eigenen Fleisch’, wie Professor Meng es ausdrückte. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass der Höllenschmied Blue Sky bereits in seiner Gewalt hat. Dies schließe ich unter anderem aus der Art und Weise, wie Gabrielle Auriga reagiert hat, als ihr während unseres Gesprächs der Zusammenhang zwischen Erichthonios und ihrer Tochter dämmerte und dass diese damit in großer Gefahr schwebt. Ich glaube, sie weiß, wo ihre Tochter steckt und ich bin mir ziemlich sicher, daß sie sich auf den direkten Weg zu ihr gemacht hat, um sie vor dieser Bedrohung zu warnen.


Weiter wissen wir, dass Amboss für sich bereits einen Weg gefunden hat, diese Bedrohung von seiner Schwester abzuwenden. Eines der Bücher, die er sich geliehen hatte, beschäfte sich mit der ‚Verschmelzung des Ich’, einer ritualmagischen Methode, zwei Teile einer gespaltenen Seele wieder zusammenzuführen. Amboss hatte sogar eine Expedition in ein Gebiet geplant, das von den Verschlingern Gaias kontrolliert wird, um dieses Ritual durchführen zu können. Helfen sollten ihm dabei der eingangs erwähnte Dr. Vittek und Paul Reece alias Seelenfeder, ein Mitglied des Dornenkreises und Autor des genannten Buches. Wir haben bisher keine Erkenntnisse darüber, was in so einem Fall aus den beiden Teilen der Seele bzw. den Trägern derselben passieren würde. Amboss wollte sich also – in gewisser Weise – erneut opfern um Blue Sky zu retten… und das wahrscheinlich nur für die vage Chance, dass er die Hand des Mörders wie damals vor 7.000 Jahren im entscheidenden Moment innehalten lassen könnte.“


Das Publikum tauschte teils ungläubige, teils entsetzte Blicke aus.
„Dieser Plan wurde allerdings vom Höllenschmied vereitelt. Ich weiß nicht, ob ich darüber besorgt oder erleichtert sein sollte, aber sei es wie es ist: Er hat Paul Reece und damit eine Schlüsselfigur in dem betreffenden Ritual durch seine Männer entführen lassen. Sein momentaner Aufenthaltsort ist ungewiss, jedoch ist wohl davon auszugehen, dass Paul Reece noch am Leben ist, da es andernfalls leichter gewesen wäre ihn sofort zu töten. Außerdem denke ich, dass sein Wissen auch für den Höllenschmied von Wert ist und sei es nur um ihn über Einzelheiten von Amboss` Vorhaben zu befragen.“
„Und was schlägst du vor, was jetzt zu tun ist?“ warf die Friedensbringerin Alectrona ein.
„Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir mit Amboss persönlich sprechen. Er wird verstehen, dass die Zeit für Heimlichtuerei abgelaufen ist. Wenn wir zusammenarbeiten, haben wir eine sehr viel bessere Chance sicherzustellen, dass Blue Sky außer Gefahr ist. Was dieses Ritual angeht, weiß er wahrscheinlich auch besser über seine Wirkung Bescheid als wir. Je nachdem, wie es funktioniert, gäbe es da möglicherweise Wege, diese ganze Sache ein für alle Mal zu beenden.“ Sojobo grinste hinterhältig. „Ich hätte da schon ein paar Ideen…“


 
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